Freitag, 2. Februar 2018

Was ist eigentlich Gemeinwohl mit Public Value oder Gemeinwohl Ökonomie?

Begriffsvielfalt - Zufall oder konsequent?

Ich habe versucht meine Idee über das Gemeinwohl in einen Rahmen zu bringen, der aus wissenschaftlicher Forschung, aber auch allgemeinen Informationen besteht. Ich gehe gestärkt aus dieser Recherche und habe nun mehr Gewissheit, dass PAMOJA Gemein.gut Kaffee wohl in irgendeiner Form Aspekte der Diskussion aufgreift und gleichzeitig etwas anderes ist.

Die Begriffe in Kürze

Aus der Vielzahl der Fundstellen möchte ich kurz auf die zwei Modelle eingehen, um dann mein Verständnis von Gemein.gut darzustellen. Denn eigentlich könnte Gemeinwohl am Ende (auch wenn es die gemeinsame Interaktion vieler individueller Mitmacher erfordert, was die Sache erschweren könnte) etwas ganz Einfaches sein.

Gemeinwohl - GemeinwohlAtlas - Public Value

Einen wissenschaftlichen Ansatz liefert die Universität Sankt Gallen in der Schweiz, die den Public Value Ansatz eingeführt hat, auf dem der 2014 erstmals erschienene GemeinwohlAtlas basiert. Interessant dabei ist die Herangehensweise und die Möglichkeit, Kriterien des Ansatzes kennen zu lernen. Mit der Einführung eines GemeinWohl-Score wird versucht Aussagen erfassbar und statistisch messbar zu machen. Eine Fragestellung lautet beispielsweise wonach eine Organisation bewertet wird. Dann werden die repräsentativen Umfragen zu Gemeinwohl, Aufgabenerfüllung, Zusammenhalt, Lebensqualität und Moral mit Zahlen unterfüttert in dieser Studie.

Was mir daran nicht gefällt und was eben nichts mit Wertschöpfung in Händen der Konsumenten zu tun hat, findet auch Anklang in einer Textstelle bei Wikipedia, die sich so liest:

"Die Rückführung des Gemeinwohls auf die Bewertung durch die Bevölkerung stellt 
eine Besonderheit des GemeinwohlAtlas dar und folgt der theoretischen Festlegung, dass 
Gemeinwohl nicht auf der Basis von "Fakten" durch Experten bestimmbar ist, sondern erst 
durch die Wahrnehmung und Wertschätzung in der Öffentlichkeit entsteht."

Anders ausgedrückt wird hier das Pferd von hinten aufgezäumt. Firmen und Organisationen, die bereits seit langem existieren, werden hier im Spiegel der öffentlichen Wahrnehmung in ein Ranking aufgenommen. Das Ranking bietet so wenig Überraschendes. Des weiteren gefällt mir nicht, dass bekannte Firmen hinter der Studie stehen beziehungsweise damit in Zusammenhang gebracht werden könnten.

Mir würde eben genau diese Definition von Gemeinwohl auf der Basis von Fakten zusagen. Einfach allein schon aus dem Grund, mit etwas Greifbarem arbeiten zu können und darauf aufzubauen.

Gemeinwohl Ökonomie

Im Selbstbeschrieb auf der Gemeinwohl Ökonomie Homepage kann man lesen, dass das ein Wirtschaftsmodell mit Zukunft sei. Ich persönlich bleibe gleich am Anfang bei der Vision hängen, weil hier viel Schwammiges, nett verpackt, präsentiert wird. Gerade die Grafik zeigt  mir, dass die Zivilgesellschaft - wir Alle - zu kurz kommt. Alles Absichtserklärungen und mit einem beindruckenden Zahlenwerk. Interessant finde ich allerdings, dass eine zitierte Seite auf der eigenen Website von Gemeinwohl Ökonomie nicht zu finden war, die Belege liefern sollte (https://www.ecogood.org/de/community/regionalgruppen/). Vielleicht mein Fehler, keine Ahnung? So fehlt der Beleg für die an anderer Stelle der Website gemachten Aussagen: 


"Seit der Entstehung 2010 haben sich über 2.200 Unternehmen, über 160 Organisationen 
und über 9.000 Personen der Initiative angeschlossen. Rund 100 Regionalgruppen 
(Stand Juni 2017) haben sich gebildet. Schwerpunkte bilden dabei die DACH-Staaten,
 weitere Staaten in Europa sowie in Südamerika."


Konsumenten als Eigentümer mit den direktesten Verbindungen zu den Erzeugern

Mein persönlicher Wunsch ist es, dass kritische Konsumenten den Handel selbst in die Hand nehmen und so mehr Einfluss nehmen können. 

Jeder Zwischenschritt der Wertschöpfungskette, der entfällt, bedeutet einen Gewinn für die Gesellschaft. Sowohl Hersteller als auch Konsumenten, egal wo auf der Welt, haben daraus den besseren Nutzen.

Es geht nicht um die Schaffung immer neuer Strukturen und Organisationen, es geht nicht um Verschachtelung und ein verwirrendes Netzwerk der profitorientierten Wertschöpfung. Es geht um das genaue Gegenteil: Effizienz durch direkteste Handelsbeziehungen.

Donnerstag, 11. Januar 2018

Eigentümerkonsumenten krempeln die Ärmel hoch und kaufen Kaffee direktest

Gestörte soziale Beziehungen stören das Handeln der Menschen
Wir leben in Zeiten der Polarisierung innerhalb der Gesellschaft. Die Reichen werden reicher, die Armen ärmer, die Mittelschicht steht am Scheideweg. Ein sich auftuendes, neues Hamsterrad das nur wenige Gewinner kennt. Muss das sein?

Es geht um nichts Geringeres als zu beginnen und selbst aktiv zu werden
Weg mit der ideologischen Brille und hin zu eigenem Handeln. Das für sich hätte nun auch wenig Wirkung und die Menschen tendieren im allgemeinen zwar zu Herdentum, aber eben zu geführtem Herdentum. Aktives Handeln allein würde mit diesen Vorzeichen keine Bedeutung haben.

Das eigene Handeln bedarf einiger Vorüberlegungen
Die erste Überlegung lautet: Auf welchem Gebiet möchte ich etwas ändern?
Wir konsumieren täglich alle Arten von Waren. Existentiell sind dabei buchstäblich Lebensmittel, über die wir sowohl die qualitative als auch die preisliche Kontrolle nahezu vollständig verloren haben.

Dankbarkeit gegenüber Zertifizierern und Multis ist unangebracht
Denn wir stehen an letzter Stelle in deren Wertschöpfungskette an kumulierten Einnahmen. Nicht umsonst befinden sich sehr viele Veredelungsstufen in Händen der Multis. Weshalb unterwegs andere am Geschäft teilhaben lassen und gar die Macht verlieren? Nicht mehr und nicht weniger. Ebenso ergeht es den Lieferanten der Waren. Je ungebildeter, desto besser für die Vermittlerkaste. Hier kommen die landwirtschaftlichen Erzeuger der dritten Welt ins Spiel. Weshalb zeigen Langzeitstudien, dass Bauern, die am Fair Trade Geschäft teilhaben nach zehn Jahren schlechter dastehen als ihre konventionell arbeitenden Kollegen? Weshalb sterben in manchen Regionen der Welt Bauern, die zertifiziert sind, weil ihre Kollegen auf anderen Kontinenten Überschüsse an fair gehandeltem Kaffee in den Markt werfen? Die Antwort auf beide Fragen; Nicht zuletzt, weil ihnen das Verständnis für eine sachgerechte Handlungsweise in der Vermarktung ihrer Erzeugnisse fehlt.

Das ist Pamoja: Wertschöpfungskette gemeinsam in unser aller Hände ohne Zwischenhandel
Aktiv werden bedeutet also schlicht, aber ergreifend eines: eine Wertschöpfungskette zum Nutzen aller bilden, die produzieren und konsumieren. Für uns als Konsumenten bedeutet das zu den Eigentümern unserer Waren werden durch eigenes finanzielles Engagement, um so zu einer vernünftigen Risikobewertung zu gelangen.

Es ist ein ganz schönes Stück Arbeit, aber nicht unmöglich den Kaffeehandel wieder auf den Boden zu stellen. Pamoja - ein Begriff aus Ostafrika - ist dabei ein wichtiges Leitmotif (sic): Pamoja bedeutet Gemeinsam handeln.

Erster Pamoja Schritt: Gemeinsam aufräumen und bei Null anfangen
Wer Platz für Neues schaffen will, muss zunächst aufräumen. Das ist im Gestrüpp von Fair Trade und Biolabeln mit allen ihren Zertifikaten und Merchandisingprodukten nicht anders. Bevor wir nun in eine Kategorisierung von "sehr gut" bis "sehr schlecht" einstimmen, lieber die Fenster auf, frische Luft rein und alle Labels und Ideologien raus aus unseren Köpfen!

Zweiter Pamoja Schritt: Abschaffung des Gutm* und Warm-glow Effektes
Warum gibt es überhaupt Gutm**? Vor allem, weil es die Psychologie gibt. Gutm** wollen einfach am liebsten nur gute Sachen machen. Dabei fehlt es ihnen aber sehr häufig an Kompetenz. Beispielsweise kennen sie die Erzeuger der Waren nicht, die sie einkaufen. Diese Ignoranz kompensieren sie mit dem tieferen Griff in den prall gefüllten Geldbeutel. Altruismus oder einfach nur "Warm-glow Effekt" wie das die Psychologen nennen? Egal.

Und genau an dieser Stelle kommen die schlauen Manager der Fair Trade Industrie ins Spiel. Sie bieten sich an, diese Wissenslücke mit schönen Prospekten zu füllen. Mehr noch. Sie handeln für uns. Leider nach Spielregeln, die wir nicht kennen. Das Resultat: keine messbaren Ergebnisse nach mehr als einem Vierteljahrhundert. Das wiederum ist erklärbar, denn es gibt gar keine Aufzeichnungen zu den Auswirkungen des fairen Handels, etwa bei den Kleinbauern.

Pamoja ruft alle auf Verbraucher auf: Sei Eigentümerkonsument und nehme direkteste Handelsbeziehungen mit den Erzeugern auf
Wem es jedoch mehr um die erlebbaren Effekte des Warm-glow geht, wie der Anhäufung sozialen Kapitals, hohem Ansehen bei Freunden, Kollegen und Untergebenen, muss hier zurück in den Labelwald und Nebelkerzen anzünden.

Zusammenhänge besser verstehen, statt Heilsversprechen übernehmen
Es ist immer die richtige Zeit bestehende Systeme zu reformieren. Das derzeitige System im Kaffeehandel ist zu teuer und bedarf grundsätzlicher Erneuerung zum Wohle der erzeugenden Kleinbauern und zum Nutzen für uns alle als Konsumenten. Ersatzlos müssen aus diesem Grund in der Wertschöpfungskette diejenigen Faktoren gestrichen werden, die die Kosten erhöhen und gleichzeitig keinen zusätzlichen Nutzen für die Zielgruppen - wir und die Erzeuger - generieren.

Somit ist es Zeit sich von Organisationen zu trennen, die vorgeblich fairen Handel und Lebensmittelsicherheit garantieren. Beispielsweise hatten Fair Trade Organisationen mehr als ein Vierteljahrhundert Zeit Nachweise der Zielerreichung zu erbringen. Das Gegenteil ist eingetreten. Die Ärmsten der Armen konnten ihre Situation nicht verbessern. Ihre Zahl ist gestiegen und ihre Situation hat sich sein 25 Jahren stetig verschlechtert. Was davon wurde aktiv an uns kommuniziert?

Die Kosten laufen aus dem Ruder bei den Organisationen, die selbst keine Aussagen machen können. Eine kritische Selbstüberwachung mit Kostenkontrolle zur Steigerung der Effizienz ist nicht möglich. Das hat einen einfachen Grund: es existieren keine Aufzeichnungen.

Während sich die Kosten für die Bauern in diesem Zeitraum verdreifacht und vervierfacht haben, passierte auf deren Einkommensseite in dieser langen Zeit fast nichts oder hat sich verschlechtert.

Der gar nicht so faire Einzelhandel
Studien zeigen, dass von extra vereinnahmten Geldern wie etwa ein "fairer" Aufschlag auf eine Tasse Kaffee kaum etwas weiter gereicht wird. In Zahlen: 98% verbleiben in den Taschen der Anbieter, lediglich 2% erreichen ihr Ziel. Das bedeutet bei einem angenommenen "fairen" Aufschlag auf eine Tasse Kaffee von 10 Cent, dass 0,2 Cent an ein Projekt oder Kaffeebauern weiter gereicht werden, während 9,8 Cent davon in die eigenen Taschen wandern. Ganz klar: Eine Abart des Warm-glow Effekts.

Last, but not least: Korruption
Ich möchte es ganz allgemein formulieren: Ein System, das als Vermittler zwischen zwei schwachen Parteien auftritt, keine verwertbaren Zahlen oder Statistiken liefert, stets steigende Kosten für Verwaltung und Prüfungen vorsieht und sich auch nicht auf konkrete Zusagen festlegen lässt, ist in gewisser Weise ein ideales System: Ideal nämlich der Korruption anheim zu fallen.

Deshalb: Nur die direkteste Verbindung zwischen Hersteller und Konsument zählt und ist die Maxime des Handelns bei Pamojakaffee
Nur eine Wertschöpfungskette ohne Zwischenhandel ist in der Lage eine starke, belastbare und dauerhaft stabile Handelsbeziehung zwischen den Kleinbauern und uns allen - den Konsumenten - herzustellen. Diese Wertschöpfungskette ohne Zwischenhandel ist es, die beste Preise für die Verbraucher garantiert und zugleich den Bauern einen angemessenen Lohn für ihre Arbeit gibt.

Pamoja Gemein.gut Kaffee und Eigentümerkonsumenten haben dieses Ziel.









*enschentum
**enschen

Mittwoch, 10. Januar 2018

Ist Fair Trade ein geeignetes Mittel zur Reduzierung von Armut kenianischer Kaffeebauern?

Der unheilvolle Beitrag von Fair Trade und Gutmeinenden*


Armut, Verelendung und Tod bei Kaffeebauern
Sobald sich jemand ernsthaft mit dem Problem der Verelendung in Ländern der Dritten Welt beschäftigt und bereit ist einen eigenen Beitrag zu leisten für eine gerechte, sozusagen faire Welt, kann man davon ausgehen, dass er Gutes unterstützen oder sogar selbst leisten möchte.

Das Problem ist jedoch, dass gute Absichten nicht deckungsgleich sind mit einfachen Wahrheiten der Ökonomie beziehungsweise Zusammenhängen, die erst durch das "gute Handeln" erzeugt werden.

Aufklärung und Information tut Not. Einerseits um zu einer realistischen Einschätzung von sogenanntem fairem Handel zu gelangen und andrerseits um möglicherweise echte Handlungsalternativen für diejenigen aufzuzeigen, die mehr erreichen wollen als Teil einer weltumspannenden Marketingidee zu sein.

Ein Missverständnis ist es, den Fair Trade-Begriff mit fairen Handelsbedingungen gleichzusetzen. Diese kommen im Handelsverhältnis von Ländern untereinander zum Einsatz. Oder auch nicht, je nachdem wie geschickt man die "Terms of Trade" aushandelt oder auslegt.

Dass Kaffee das erste Produkt einer langen Liste von Fair Trade Produkten wurde, ist erwähnenswert. Weniger aus sentimentalen Neigungen, aber vielmehr als anschauliches Beispiel für den Zusammenhang von Weltpolitik und Faktoren, die den Handel mit landwirtschaftlichen Produkten beeinflussen.

Kalter Krieg und Angst vor dem Kommunismus
Wie war das eigentlich vor Einführung der Marke Fairtrade aber auch des Fair Trade Ansatzes im allgemeinen?

Um Kaffeeproduktion und entsprechenden Protektionismus zu lenken, wurde das International Coffee Agreement (ICA), nichts anderes als ein Quotensystem, 1962 eingeführt. 1989 kollabierte das System aus verschiedenen Gründen. Zum einen ein verändertes Konsumentenverhalten und eine veränderte Nachfrage nach den feineren Arabica-Kaffees. Daraus resultierend Unstimmigkeiten bezüglich der Quoten zwischen einigen Herstellerländern und den Exporteuren. Zufall oder nicht: dem Zerfall der Sowjetunion und den Veränderungen in der geopolitischen Großwetterlage folgte etwa zeitgleich eine geringer werdende Angst bei westlichen Ländern vor den Bedrohungen des Kommunismus. Genau das hatte jedoch Einfluss auf das Verhältnis zu den kaffeeproduzierenden Ländern.

Und auch noch das: Natürliche Ursachen für Preisvolatilität des Kaffees
Unwetter führten in der Mitte der 1990er Jahre zweimal zu riesigen Ernteausfällen, ebenso des öfteren in den Zehnerjahren des 21. Jahrhunderts. So entstanden neue Märkte in Asien, wie etwa in Vietnam. Die Kaffeeindustrie nutzte geschickt das Momentum und füllte die Lücken aus, die durch die schwächelnden Ländern, etwa in Südamerika entstanden waren. Seitdem wird der Markt zunehmend mit Kaffee aus Asien überschwemmt. Der Kaffeepreis wird als flexibel bezeichnet.

Boden für das Fair Trade Marketing ab Mitte der 1990er Jahre bereitet
Grob gesagt waren das Ende des kalten Krieges und Unwetter die Wegbereiter für Fair Trade Euphemismen und Illusionen. Es boten sich ungeahnte Chancen für das Eindringen in einem bisher geregelten Markt und zur Umverteilung. Für Wachstum, wohlgemerkt bei den Importeuren, war gesorgt.

Was bedeutet Fair Trade für die Kaffeebauern?
Wie so oft kann gesagt werden: Es kommt darauf an. Aber bei unserer Betrachtung gehen wir ja von der Prämisse aus, Bauern in afrikanischen Ländern, wie Kenia zu helfen. Sie sollen bessere Preise und ergo ein besseres Leben aus ihrer Arbeit mit Kaffee bekommen.

Wie kann es also - ganz nüchtern gesagt - möglich sein, die Verbesserung der Einkommen von Kleinbauern zu erzielen, wenn man eine Organisation gründet, die zunächst und in der Folge andauernd Geld verschlingt? Wie passt das zusammen? Richtig, es passt überhaupt nicht zusammen.

Voraussetzungen zur Teilnahme an Zertifizierungen des Fair Trade
Zunächst schlägt für die Kleinbauern die Entrichtung einer Aufnahmegebühr von rund 600 US-Dollar zu Buche. Dass oftmals Kooperativen hier die Führerschaft übernehmen hilft den Bauern dabei überhaupt nicht. Gleichzeitig ist nicht gewährleistet, dass Kooperativen im Interesse der Bauern agieren. Hier ist Kenia ein unrühmliches Beispiel.

Die jährlichen Inspektionen und Zertifizierungen rufen weitere Kosten hervor. Je nach Betriebsgröße beziehungsweise Absatzzahlen, kann man - Jahr für Jahr aufs Neue - von  etwa 1000 US-Dollar bis über 4000 US-Dollar an Gebühren sprechen, die die Bauern zahlen müssen. Kurz: Fair Trade lässt kein Geld  für die Kleinbauern übrig. Die Fair Trade Organisationen geben den Bauern im Gegenzug keine Garantien für den Absatz ihrer Produkte. Wussten Sie das?

Lieber nicht-fairen Kaffee trinken, oder?
Wen würde es da noch wundern, wenn die Bauern nach Alternativen suchten?
Lieber Konsument, trinken Sie deshalb ruhig Kaffee, der nicht fair gehandelt wurde, denn er stammt von den gleichen Feldern der selben Bauern, die alle Absatzkanäle zur Existenzsicherung nutzen müssen.

Fair Trade ist ein Garant für Verarmung und Tod
Das passiert immer dann, wenn Kaffeebauern aus lateinamerikanischen Volkswirtschaften, die das rund 50-fache Bruttoinlandsprodukt und mehr als ihre afrikanischen Kollegen haben können, auf den Fair Trade Zug aufspringen. Das bloße Versprechen, dass fair gehandelter Kaffee mehr Geld einspielt, lässt im Anschluss die Produktion in Ländern wie Mexiko oder Peru anschwellen. Weil sie "reicher" sind, wissen sie nicht nur wie man eine Ertragssteigerung erreicht. Sie haben auch die technischen Mittel dazu. Davon könnten kenianische Bauern nur träumen. Dazu fehlt Ihnen die Gelegenheit im Kampf ums nackte Überleben.

Achtung banal: Zahlen & Statistik
Eine ökonomische Wahrheit ist es, dass ein Prozent mehr Kaffee im Markt die Preise für Rohkaffee um rund vier bis fünf Prozent fallen lässt.

Ohne den Fair Trade Einfluss stirbt in Ländern der dritten Welt jedes dritte Kind an Hunger und Krankheit vor Erreichen des fünften Lebensjahres. Ist Fair Trade in der oben gezeigten Form im Spiel, wenn also die Kaffeepreise fallen, weil es eine "faire" Überproduktion in den "reicheren" Ländern gibt, so erhöht sich die Zahl. Dann stirbt jedes zweite Kind an Hunger und Krankheit.

Eine Stichprobe zeigt: Das Angebot an fair gehandeltem bzw. organischem Kaffee eines bedeutenden deutschen Kaffeehändlers in einer Januarwoche 2018 gliedert sich wie folgt: 39 Angebote an lateinamerikanischem Kaffee, drei Angebote aus Asien. Demgegenüber stammen 13 Angebote aus afrikanischen Ländern. Rund 75% oder zehn Angebote daraus stammen jedoch aus einem einzigen Land: Äthiopien.  Die restlichen drei genannten Länder werden jeweils durch einen einzigen fair gehandelten bzw. organischen Kaffee repräsentiert.


Fair Trade
  • rechnet sich ab einer bestimmten Betriebsgröße zunehmend besser; dies verhindert genau denjenigen zu helfen, für die es angeblich erschaffen wurde
  • ist ein Hebel für Bauern wesentlich "reicherer" Länder in Lateinamerika und deren Abnehmer
  • trägt zur Verarmung der Bauern "ärmerer" kaffeeproduzierender Länder wesentlich bei, bis hin zur existentiellen und physischen Vernichtung
  • ist ein Bürokratiemonster, das kein Geld übrig lässt für Kleinbauern
  • und seine komplexen Organisationsstrukturen machen es einfach Geld in dunklen Kanälen verschwinden zu lassen.

Das Dilemma des Konsumenten, der ein Gutmeinender sein will
Was tun angesichts des Dilemmas in dem sich ein gutmeinender Konsument befindet? Nun: Nehmen Sie die Sache selbst in die Hand, anstatt es Industrien mit Heilsversprechen zu überlassen, die das Papier nicht wert sind auf dem sie geschrieben sind.


Das heimische Sparschwein ist viel besser als jeder fair gehandelte Kaffee
Weshalb nicht genau den Kaffee trinken, den Sie lieben? Achten Sie darauf, dass kein Siegel dran klebt. Geben Sie für jede Tasse, die Sie konsumieren einen kleinen Centbetrag ins Sparschwein.  Um sich die Sache zu vereinfachen, überlegen Sie sich einen Beitrag je Tasse, den Sie als angemessen empfinden. Aus einem 1000g-Beutel kommen rund 100 Tassen Kaffee. Das könnte bedeuten, dass Sie, jedesmal wenn Sie einen neuen Beutel öffnen, 50 Cent oder sogar mehr ins Sparschwein tun. Animieren Sie auch andere dazu. Machen Sie daraus vielleicht sogar ein Event.

Den auf diese Weise gesammelten Betrag an eine Organisation geben, von der Sie ganz persönlich überzeugt sind. Das wäre eine Möglichkeit selbstbestimmt und garantiert angemessen zu handeln.

*Zur Umgehung von "Gutmensch" dem Unwort des Jahres 2015. Das Wort "verhindert einen demokratischen Austausch von Sachargumenten", so das wichtigste Argument in der Begründung der Jury. Dem schließe ich mich an.



Freitag, 13. Oktober 2017

Role Models in Afrika: Judy Thongori, Rechtsanwältin

Das Institute for Inclusive Security zählt Judy Thongori zu den handverlesenen 17 weiblichen Persönlichkeiten, die die Welt verändern können. Im Jahr 2015 empfiehlt diese Organisation dem ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama ein persönliches Treffen mit zehn Frauen aus Kenia, die er unbedingt kennen sollte. Wieder ist diese herausragende kenianische Rechtsanwältin darunter.

© by The Institute for
Inclusive  Security
Wer ist diese Frau und was zeichnet sie aus?

Nun, um dazu eine umfassendere Einschätzung zu gewinnen, möchte ich interessierte Leser auf den Wikipedia-Artikel unter dem Stichwort Judy Thongori hinweisen. In der allgemeinen Wahrnehmung dürften eventuell zwei Dinge von entscheidender Bedeutung sein. Einerseits hat sie erfolgreich gegen die kenianische Regierung geklagt, weil sie zurecht die Auffassung vertrat, dass diese die Frauenquote von 30% nicht erfüllte. Auf der anderen Seite tritt Judy Thongori immer wieder als Kolumnistin in kenianischen Zeitungen und Zeitschriften öffentlich in Erscheinung.

Ich habe Judy Thongori anlässlich einer Wahlbeobachtung in Kenia kennen gelernt. Es ging um die Präsidentschaftswahlen 2002, aus denen im Anschluss Mwai Kibaki als Präsident Kenias hervor ging. Sie war damals für FIDA, eine internationalen Rechtsanwältinnenorganisation tätig. Gemeinsam mit ihrem Team aus engagierten Anwältinnen besuchte sie die Wahlstationen und war vorort für viele Bürgerinnen und Bürger Ansprechpartnerin bei Unstimmigkeiten im Zusammenhang mit der Stimmabgabe.

Sie lud mich ein das Team an diesem Tag zu begleiten. Gerne habe ich zugesagt und viel gelernt über einen ganz normalen Wahltag in Kenia. Ich möchte betonen, dass es sich nicht um eine offizielle Wahlbeobachtungsmission, wie etwa der EU handelte. Diese offiziellen Missionen sind Geldvernichtungsmaschinen, die selbst die intransparenteste Veranstaltung sind, die man sich vorstellen kann.

Jedenfalls: Nach getaner Arbeit saßen wir dann zusammen, gemeinsam Kaffee trinken und über den Tag resümieren. Nicht als gute Freunde, sondern als Menschen, die ihre Mission dieses Tages sehr ernst genommen hatten. Judy und die anderen Rechtsanwältinnen hatten mich als ein Ergebnis unseres gemeinsamen Tages dann im Nachgang gebeten Informationen zu diesen Missionen zu sammeln und direkt in Deutschland bzw. Brüssel zu verschiedenen Themen nachzufragen und Antworten zu finden.

Die wesentlichen Fragen, die mir die FIDA-Anwältinnen stellten, waren: Wer sind die Teilnehmer der EU-Wahlbeobachtungsmission? Wodurch sind diese Personen qualifiziert? Weshalb strömen knapp zwei Wochen vor den Wahlen rund 140 Personen ins Land, quartieren sich in Luxushotels ein und behaupten irgendeine qualifizierte Einschätzung zu den Wahlen abgeben zu können? Weshalb werden im Zusammenhang mit der Mobilität dieser EU-Mission viele nagelneue Geländewagen gekauft und wo landen diese sehr teuren Fahrzeuge nachdem die Wahlbeobachter das Land nach kürzester Zeit wieder verlassen?

Im Frühjahr 2003 habe ich Judy folgende Antwort gegeben: "Meine Versuche Antworten zu diesen Fragen zu finden waren erfolglos. Sowohl in Deutschland, wo ich meine Wahlkreisabgeordneten der verschiedenen Parteien anfragte als auch auf EU-Ebene habe ich mit einer Ausnahme keine Antwort erhalten. Die eine Antwort war jedoch nur der Verweis auf eine zuständige Person bei der EU."

Shame on you, Mandatsträger und EU.






Freitag, 6. Oktober 2017

Cappuccinoträume am Berg Ararat

Manchmal sind es ausschliesslich die Umstände und Zufälle, die eine Geschichte entstehen lassen. Umstände, ungeplant und bar jeder Einflussnahme können viele Bedeutungen haben. Angereichert mit einer Prise Zufall öffnet sich eine Tür, auf die man nur blickte und nun ihres weiteren Geheimnisses berauben kann.

Weil die Kamera in Griffnähe lag, gab es den folgenden Schnappschuss. Der Milchschaum im Cappuccino sah aus wie der Berg Ararat mit seinem kleineren Nachbarn, dem Berg Aragats. Beides sind enorm mächtige Erscheinungen mit 5137 m bzw. 4090 m. Mit etwas Glück, kann man sie an einem klaren Tag von Armeniens Hauptstadt Jerewan wunderbar vereint wie gute Freunde zusammen erleben. Für den Betrachter in ihrer schieren Größe und Erhabenheit surreal.




Gevorg Bashinjaghian 

Um das zu verdeutlichen habe ich ein Bild gesucht, das vielleicht ein wenig davon vermittelt. So bin ich auf den wichtigen armenischen Maler Gevorg Bashinjaghian (1857-1925) gestossen, von dem das oben gezeigte Gemälde aus dem Jahr 1912 stammt.

Zum Ende des 19. Jahrhunderts bereiste er Italien und die Schweiz, wo er sowohl klassische zentraleuropäische Kunst kennenlernte als auch die Alpen sah. Später schrieb er: "Die Alpen sind wunderschön, aber sie lassen dein Herz unberührt, wenn Du den Kaukasus gesehen hast."


Gevorg Bashinjaghian 



Samstag, 30. September 2017

Kaffeeeinladung: Espresso des Monats Oktober 2017

Es ist unglaublich. Man kann mit ein wenig Experimentierfreude die wunderbarsten eigenen Kreationen von Kaffee oder Espresso zaubern. Nur Mut: Es kann nur schief gehen. Es wird aber meistens mit einem Aha-Erlebnis belohnt.

Heute stelle ich eine extrem gelungene Mischung aus zwei Kontinenten vor: Äthiopischen Mocca und den Espresso Indien Monsooned Malabar AA. Beide stammen von Pamoja Gemein.gut Kaffee.


Diese beiden Bohnen zusammen, vereinen angenehme Säure des äthiopischen Kaffees mit dem unverwechselbaren Profil des indischen Espresso von Erde, ein wenig Schokolade und Rauch. Dabei ist dieser Espresso fast säurefrei. Das ist doch ein gutes Argument, wenn man ein wenig aufpassen sollte wegen Säureempfindlichkeit? Und ja, es klingt zugleich irgendwie widersprüchlich. Einerseits nimmt man einen Mocca mit Säure und andrerseits einen Espresso ohne Säure. Was soll das?

Hier setzt die wunderbare Magie einer Mischung ein. Super Crema, dezente Säure und irgendwie auch dieser Mandel-Marzipan Beigeschmack. Eine wissenschaftliche Erklärung dazu kann ich jedoch nicht abgeben.

Richtig gelungen wird so ein Kaffee jedoch erst, wenn man gute Freunde hat, mit denen man zuhause Kaffee trinken kann. Gemeinsam mit meinem lieben Besuch, Schwiegervater Pertsh aus Armenien war hier die Gelegenheit Alt und Jung an einen Tisch zu bringen. Schön langsam kann ich den Teetrinker überzeugen auch hin und wieder mal eine Tasse Kaffee zu nehmen.

Am besten noch mit was Süssem, wie Halva oder einem leckeren Kuchen. Aber am wichtigsten: Zuhause Kaffee trinken, was gibt es Schöneres? Mir jedenfalls fällt im Bezug auf dieses Getränk nichts Besseres ein.

Und nun zur grandiosen Mischung: Ich gebe einfach 2 Teile Äthiopischen Mocca zu 3 Teilen indischem Monsooned Malabar AA, mahle espressofein und gebe das Ganze in meine Siebträgermaschine. Von da läuft es in die vorgewärmten Espressotassen. Es bildet sich wunderbare Crema, die Farbe ist karamel, der Duft mandelartig. Je nach Geschmack Zucker und ein Stückchen Halva dazu.

Fertig ist die perfekte Kaffeeeinladung.

Sonntag, 3. September 2017

Taxi zur Trauerfeier: Teil 2

In den Nissan passen je nach Lesart vier, manchmal auch fünf und in Notfällen sechs Erwachsene und mindestens zwei Kinder. Beim Start in Awasi waren wir zu dritt, wobei ich aus Respekt vor dem älteren Herr, der zustieg freiwillig auf den Sitz hinten kletterte.

In Ahero, dem Nachbarort von Awasi, gesellten sich dann noch zwei Damen dazu, so dass wir eigentlich schon gut besetzt waren auf unserer Fahrt ins entfernt gelegene Siaya. Irgendwo bei Maseno stieg dann eine letzte Person zu, so dass wir dann eng gepackt unserem Ziel entgegen steuerten. Hin und wieder legten wir eine kleine Rast und Pause ein.

Emmanuel Mbeche während unserer Rast
Während der Fahrt hörte ich bereits allerlei Geschichten über die Verstorbene. Der hohe Grad ihrer Beliebtheit liess mich darauf schliessen, es nicht mit einer kleinen Beerdigung zu tun zu haben. So war es durchaus möglich, dass wir uns auf der Fahrt zu einem volksfestähnlichen Ereignis mit mehreren hundert Trauergästen befanden. Möglich wären aber auch Trauernde im vierstelligen Bereich, also mehr als 1000 Menschen auf einem Fleck. Was für eine Ansammlung, zumal wenn man bedenkt, dass Trauerfeierlichkeiten in dieser Region Kenias normalerweise drei Tage dauern.

Mir tun bei solchen Großereignissen immer die Angehörigen Leid. Wenn es nicht sehr vermögende Menschen sind, kann so eine Party den Ruin bedeuten, denn alle Anwesenden wollen versorgt werden mit Essen und Getränken. Da hilft die beste Harambee - eine traditionelle Geldsammelaktion - nicht.

Bei unserer Ankunft um zirka 13 Uhr war es bereits schwierig einen Parkplatz zu finden. Immerhin war es bereits der zweite Tag der Feierlichkeiten. Von netten Bewohnern des Ortes wurden wir auf einen etwas entfernt befindlichen Parkplatz gelotst, auf dem wir dann in der siebten Reihe Platz fanden. Zu diesem Zeitpunkt noch trockenen Fusses, doch es waren Regenfälle angekündigt, die diesen Wiesenparkplatz sehr schnell in eine Schlammwüste verwandeln könnten.

Freitag, 1. September 2017

Taxi zur Trauerfeier: Teil 1

Ich hatte mich für Samstag Morgen mit meinem Freund Emmanuel Mbeche verabredet. Gemeinsam wollten wir mit seinem kleinen Nissan nach Kisumu fahren, um dort bei den Großhändlern für Schul- und Schreibbedarf, Dinge für die Grundschule von Awasi zu besonders guten Preisen einzukaufen. Einerseits weil wir in großen Stückzahlen einkaufen würden, andrerseits weil wir auf großzügige Spenden seitens der zumeist kenianisch-indischstämmigen Händler hoffen konnten, die in der Vergangenheit stets ein offenes Ohr für unser karitatives Unterfangen bei Projekt Awasi e.V. hatten.


Während ich auf ihn wartete, sah ich an der Hauptstraße total vollgepackte Minibusse, sogenannte Matatus, die immer neue Passagiere durch die links angebrachte Seitentüre aufnahmen. Wie stets fragte ich mich, ob das ein Trick sei und die Menschen auf der anderen Seite wieder heraus kletterten. Nein, wie immer war es kein Trick: So sieht die Realität der kenianischen Bevölkerung aus. Anstatt zu protestieren und auf eine Durchsetzung der geltenden TLB-Beförderungsgesetze zu pochen, erträgt man mehr oder weniger voll Demut, dass man so - oder eben überhaupt nicht - befördert wird.

Nach einer Viertelstunde kam Emmanuel und unser Transportmittel versprach im Vergleich dazu puren Luxus mit einem richtigen, eigenen Sitzplatz, angenehmer und individuell einzustellender Belüftung und guten Gesprächen. Nach einer kurzen, freundschaftlichen Begrüßung, schilderte mir Emmanuel den vor uns liegenden Ablauf des heutigen Tages.

Mehr oder weniger überraschend sei eine alte Dame in der Nähe von Kogelo in Siaya gestorben. Da hier und auf dem Weg nach Kisumu Verwandte und Freunde der Dame lebten, sei er gebeten worden, die Trauernden mit seinem Pick-up an den Ort der Beerdingung zu bringen. Da ich Emmanuel kenne, war mir klar, dass nun ein sehr langer Tag auf uns warten würde mit vielen interessanten älteren Leuten und vielleicht auch der einen oder anderen Geschichte. Er hat einfach ein zu großes Herz und ein Fahrzeug, das nicht von ungefähr als Pick-up bezeichnet wird.



Unsere Reise führt nun also nicht von Awasi nach Kisumu, sondern weit darüber hinaus in die Nähe von Kogelo. Auch wenn wir etwas ganz anderes vorhatten: Für Reisen und Erlebnisse wie diese bin ich immer zu haben.

Übrigens: Wer denkt, Kogelo, Moment mal, da klingelt doch was. Ja, Kogelo ist der Ort aus dem Barack Obama Senior, der Vater des ehemaligen US-Präsidenten stammt. Nach wie vor besucht dieser seine Verwandten in der kenianischen Provinz, so wie er es als Senator bereits getan hat. Es kursiert ein Witz dazu: Immer wenn Obama nach Kogelo reist, gibt es eine große Party. Im Radio wird dann immer angesagt: Party in Kogelo, Parken in Kericho (auf der Landkarte unten rechts, mehr als 200 km weg vom Ort des Geschehens). Das zum Selbstverständnis der Luo Pride.

Mittwoch, 30. August 2017

Wunderbarer Kaffee: AA Blue Mountain aus Kenia und nicht aus Jamaica

Heute möchte ich einen der wundervollsten Kaffees vorstellen, den ich bisher kennen lernen durfte: den weltberühmten AA Blue Mountain, den man normalerweise in Jamaica verorten würde. Dank britischer Kolonialherrschaft und der ungeheuren Experimentierfreude dieser Herrschaften, schaffte es 1913 ein Ableger der Originalbäume von der Karibik bis ins östliche Afrika, genauer gesagt ins westliche Kenia.

Dieses Schicksal teilten sich die Kaffeebohnen mit vielen Dingen, die den Briten einfach so gut gefallen hatten, dass man sie ohne weitere Prüfung zunächst irgendwo auf der Welt exportierte, um es dann in Kenia zu importieren. Ich denke da an Bäume, die darüber hinaus in Kenia bunt gemischt in die Landschaft gesteckt wurden, zumindest die Samen oder Jungbäume. Wer mehr dazu wissen möchte, möge entsprechende Einträge zur Londiani Forestry School googeln.

Blue Mountain Kaffee: Ursprung Jamaica
Irgendwo hatte ich auch dazu mal ein Bild, das ich momentan nicht finde und das mir in der Erinnerung Jeremy Block, der Geschäftsführer von Dormans in Kenia, mal gegeben hatte. Vielleicht täusche ich mich da aber auch. Jedenfalls, wenn ich das Bild mit dem Stammbaum aus Jamaica und dem Ableger in Kenia in schematischer Darstellung finde, wird es selbstverständlich nachgereicht.

Der kenianische Blue Mountain ist eine jener Spezialitäten, die man sich unbedingt besorgen muss. Unverschämt aber die Preise, die man hier in Deutschland dafür bezahlen soll. Da lohnt sich doch glatt der Flug nach Afrika und ein Einkauf direkt bei Dormans oder in einem gut sortierten Lebensmittelgeschäft. Jedoch selbst bei uns ist er immer noch um einiges günstiger als Blue Mountain aus Jamaica, der hierzulande im Einkauf bei Rohkaffee schon irgendwo zwischen 60 Euro und 80 Euro das Kilo liegt.

Aber der Unterschied zu seinem Enkel aus Afrika ist nicht zu bemerken. Ich behaupte sogar aufgrund der Bodenbeschaffenheit in Kenia ist dieser Blue Mountain sogar noch besser. Kräftig mit einem starken Anschlag von dunkler Schokolade. Neben den anderen Köstlichkeiten aus Kenia, die eben durch starke Säure hervor stechen, bietet der AA Blue Mountain dieses unvergleichliche Aroma.






Montag, 28. August 2017

Role Models in Africa: Richard Leakey


Richad Leakey
Copyright by Rob Bogaerts/
 Anefo (Wikipedia)

Although, I never had the honour to meet in person with Richard Leakey, the former first chairman of the Kenya Wildlife Service (KWS), when it was formed in 1990, I find he is one of the most important persons in contemporary Kenya.

His merits for wildlife in East Africa and his view that parks were self-contained ecosystems that had to be fenced in and the humans kept out are best seen when realizing that Leakey had become one of the most crucial persons in the public life of Kenya.

Personally, I can add a story that was told to me by a friend at whose house I used to stay during 1993. At this time this friend used to be the Consular General of the United States of America to Kenya. She had a meeting with Richard Leakey in his office after his plane crash, which cost him his legs, which means both of them were amputated. 

When she entered the office of Richard Leakey, he was sitting behind his desk, which was expected. In the course of their conversation, she said she wondered how he can do his job so briefly after the fatal plane crash? His typical way of answering it (how she put it to me later that evening): "I am not thinking with my legs, I am thinking with my head", impressed me very much. I imagine it takes a strong character like this to form KWS. Otherwise it would not have been possible at all or as successful.

At the end of the meeting with the KWS chairman, it was time for her to leave. She rose and was shocked when she saw Richard Leakey also moving from his chair and escorting her to the door on his artificial limbs only months after the accident.



Samstag, 26. August 2017

Mein Kaffeetipp des Tages: Äthiopischer Mocca gemischt mit Sumatra Vulkan Grade 1


Sortenreine Kaffees
Es ist Urlaubszeit und ich gebe mich einer meiner Lieblingsbeschäftigungen hin: Kaffeemischungen von eigentlich sortenreinen Kaffees ausprobieren. Meine Empfehlung des Tages für zwei Personen: edlen Sumatra Vulkan Grade 1 mit ebenso edlem äthiopischen Mocca im Verhältnis 2:1, also 16 Gramm zu 8 Gramm. Wem das zu schwach ist, der erhöht die Dosis halt nach seinem Geschmack.

Äthiopischer Mocca (links) und Sumatra Vulkan
Grade 1 von PAMOJA KAFFEE; dazu
ein selbstgemachter Käsekuchen
Mischen is possible
Ich mag die dezente Säure des äthiopischen Kaffees in Verbindung mit der Erdigkeit des Kaffees von der Insel Sumatra. Beide Kaffees sind natürlich Arabica, ist doch eh' klar.

Was wäre die Welt ohne Kuchen
Mein Favorit: ein Käsekuchen mit einem Boden aus Haferflocken.

Freitag, 25. August 2017

Kenia: Und ewig grüßt das Gluckern des Wassertanks

© by Jovan Cormac (Wikipedia)
Mit diesem Phänomen habe ich bereits in den 1980er Jahren in Lateinamerika Bekanntschaft gemacht, dort verschwand es aber im Laufe der Zeit. In Kenia ist es eine andauernde Veranstaltung.
Für uns Wohlstandseuropäer ist es zumeist völlig unbekannt: Das Gluckern eines Wassertanks nach 22 Uhr. Überhaupt: was ist ein Wassertank?


Es gluckert in der Leitung. Was hat es damit auf sich?
Wenn Sie dieses Geräusch am Abend vernehmen, gehören Sie zu den schätzungsweise 90% der Bewohner Nairobis, die sich die knappe Ressource Wasser mit den anderen Hauptstadtbewohnern solidarisch teilen müssen. Während des gesamten vergangenen Tages haben Sie Wasser verbraucht, das nicht einfach aus der Leitung kam. Sie haben am Vorabend Wasser gesammelt bzw. im Verlauf von Tagen und Wochen Wassertanks in der Wohnung gefüllt. Dann haben Sie es rund um die Uhr aus diesen Tanks geschöpft.

Es gibt kein Wasser tagsüber. Dann werden Behörden, Militär und privilegierte Nutzer beliefert. Da Wasserknappheit herrscht, kann halt nicht jeder bedient werden. Glücklich wer den Mega-maxi-10000 Liter Wassertank auf dem Dach hat, am besten gleich zwei Stück davon. Am besten sie sind stets gut gefüllt. Der gute alte Spruch, "Spare in der Zeit", wo würde er mehr gelten als in Kenia?
Viele Kenianer haben aber wesentlich kleiner Tanks oder teilen sich einen Tank mit den Nachbarn.

Wie oft sind wir abends beim Essen gesessen und alle haben auf das Geräusch aus den Wasserleitungen gewartet. Dann - mehr oder wenig pünktlich - geht es los und dauert manchmal bis tief in die Nacht. Das Befüllen der Tanks - ein gutes Geräusch, ein sehr gutes sogar!

Es gibt leider auch Abende, an denen kein Wasser fliesst. Die einfache Formel lautet: Kein Gluckern, kein Wasser!

Wie lebt man mit Wasserknappheit?
Zunächst einmal kocht man Wasser sehr gewissenhaft ab, um daraus Tee, Kaffee oder Wasser zum Kochen zu haben. Wer Wert auf eine Dusche nach getaner Arbeit legt, lernt die Eimer-Füll-Methode in Verbindung mit der Eimer-über-dem-Kopf-entleeren Methode bei gleichzeitigem Shampoonieren des Körpers. Wer warmes Wasser will, mischt Wasser aus dem Tank mit gerade erhitzem Wasser. Man sollte auch immer ein wenig Wasser bunkern für Notfälle, für das WC oder wenn überaschend Besuch kommt.

Das war jetzt ein Szenario, das die Situation in einer einfachen Wohnung wider spiegelt. Selbstverständlich gibt es auch Wohnungen, die besser ausgestattet sind, gerade wenn ich an Durchlauferhitzer bei Duschen denke oder an kleine Wassertanks in einzelnen Räumem wie Bad oder Küche. Das ist dann schon ein angenhemer Luxus und das Upgrade gegenüber den Durchschnittswohnungen.

Wie lebt man nun mit derartiger Wasserverknappung? Man lebt.



Donnerstag, 24. August 2017

Taxifahren in Nairobi - Story 1: Airport - Langata

Man kommt nicht an ihnen vorbei und doch wäre es so schön, wenn man ohne sie auskommen könnte: Taxis samt deren raffgierigen Fahrern, die die Straßen von Nairobi bevölkern und ständig auf der Suche nach Beute sind.

Normalerweise hiesse das, bei einigermaßen klarem Verstand sind Taxis nahezu ein No-go. Technisch oftmals völlig unzulänglich, bei einem Komfort der zu wünschen übrig lässt. Dafür utopisch in der Preisgestaltung und nach oben hin offen. Weshalb also freiwillig in so eine Betrugsmaschine mit Ansage einsteigen? Weil man die Taxis halt doch ab und zu braucht, ganz einfach.

Der Klassiker: Ankunft am Flughafen
Eigentlich alles ausgemacht. Kurz nach dem Landen der Blick aus dem kleinen, ovalen Fenster des Airbus A330. Da hinten irgendwo steht mein Bekannter und wartet auf mich hinter der Absperrung am Ausgang des Flughafengebäudes. Noch gestern per Email hat er bestätigt, dass alles klappt, ich müsse mir keine Sorgen machen. Er wird da sein mit Aporro (ein Kikuyu, eigentlich heißt er Apollo). Ein Taxler der so eine Tour nebenher einbauen konnte. Win-win-Situation sozusagen. Wem das Taxi gehört? Keine Ahnung.

Copyright by Arthur Buliva (Wikipedia)

Ach ja, es ist 5.00 Uhr am Morgen. Es ist dunkel, Nairobi schläft. Nur die Mombasa Road vom Flughafen in die Stadt liegt da wie eine Schlange in der Finsternis und wartet auf Beute. Am liebsten leichte Beute.

Copyright by Apalsola (Wikipedia)







Zollkontrolle, alles gut gangen. Dann raus hier. Gleich zwanzig Meter weiter die Absperrung, dahinter rund 100 Menschen: Abholer allesamt, teils Familie, Freunde, Schlepper, Taxifahrer. Ich schaue mich um. Weit und breit keine Freund mit seinem Mann im Mond zu sehen. Diese Apollo-Mission scheint vorerst schief gegangen zu sein. Da taucht mein Freund auf. Er selbst musste sich irgendwie zum Flughafen durchschlagen. Apollo habe angerufen, er sei durch eine andere Tour etwas aufgehalten worden, aber bald da. Er befinde sich sozusagen schon fast im Anflug.

Nun gut. Ein bisschen Zeit können wir totschlagen. Ist ja auch angenehm, so früh am Morgen.Wir besprechen dies, wir besprechen jenes. So wird es 5.45 Uhr und, Ring-ring, Apollo meldet sich. Ja, er sei nun gleich da, nur noch schnell etwas abholen. Dauert nicht mehr lange. Inzwischen haben wir den Ort gewechselt. Erstens, ist es frustrierend im Ausgangsbereich dauernd neue Passagiere zu sehen, die schnell abgeholt werden und zweitens beginnt jetzt die Morgensonne etwas unerbittlicher zu scheinen. Nach einer durchflogenen Nacht gibt es bessere Anblicke. So ziehen wir uns zurück unter einen Baum auf dem Parkplatz in Sichtnähe der Straße. 6.20 Uhr, Ring-ring, Auftritt Apollo, dritter Teil. "Wo seid ihr?", ruft da einer aufgeregt ins Telefon. Er sei gleich da, wir sollen schon mal zur Straße kommen. Als ob wir da nicht schon längst wären. Irgendwie nehmen wir das alles so hin, die Gleichgültigkeit hat uns bereits im Griff. Nur hin und wieder, so alle 10 Minuten ein kurzer Wutanfall.

Die Belohnung winkt in Form einer günstigen Taxifahrt. Ich rechne so mit 15 Euro. Hätte man sich eines regulären Fahrzeugs am Flughafen bedient, wären so etwa 35 bis 50 Euro fällig geworden. Und die Angst fährt mit, denn man weiß ja nie zu wem man direkt am Flughafen ins Auto steigt. Und der Mombasa Highway kann dann sehr lang werden und hat viele dunkle Ecken und Abzweigungen in Gewerbegebiete.

Da, endlich. Um sieben Uhr Morgens. Einzug der Gladiatoren. Apollo nebst Co-Pilot kommt mit einem einigermaßen fahrtüchtigen Volvo in die Arena eingerollt. Er ist auch noch stolz, dass er uns fahren kann. Am liebsten würde ich ihm eine Standpauke halten. Aber das erspare ich ihm und irgendwie auch mir. Ich will jetzt nur noch heim, duschen und ein wenig schlafen.

Apollo hingegen dreht jetzt mächtig auf, erzählt mir was von den guten Christenmenschen, so wie er einer sei und den vielen Übeln und Versuchungen des Lebens da draußen. Aber wir seien ja an ihn geraten, er sei ja einer von den Guten. Leise flüstert mein Freund mir zu, er kenne Apollo und er müsse sagen: Ja, es treffe schon zu. Er selbst würde ihn immer am Sonntag in der Kirche sehen. Der Beweis war also erbracht.

Ich erinnere mich nicht mehr genau, aber ich glaube es waren noch zwei unwesentliche Stops auf dem Weg nach Hause. Apollo war jetzt durstig und hungrig. Er musste anhalten, um an der Strasse Tee und irgendetwas Undefinierbares einnehmen. Dazu benötigte er zwei Anläufe, wobei er dann beim zweiten Mal an einer Tankstelle gleich die Luft seiner Volvoräder nachschauen liess.

Irgendwann kamen wir dann tatsächlich in Langata an. Es war kurz nach acht Uhr am Morgen. Ich könnte eigentlich schon seit zwei Stunden im Bett liegen. Raus aus der Karre, Kofferaum auf, schnell das Gepäck greifen und Apollo bezahlen.

Und was sagt unser freundlicher Taxifahrer: "40 Euro". Da platzt mir aber der Kragen und ich sage ihm, dass er zwei Stunden zu spät gekommen sei und unterwegs auch noch rumgetrödelt habe. Dafür zahle ich ihm nicht so viel. Das kostete es ja noch nicht einmal mit den regulären Halsabschneidern und Haifischen am Flughafen und da wäre ich schon längst zuhause gewesen, wo er noch nicht einmal am Flughafen war. 15 Euro bekäme er und sonst nicht für seinen Service.

Er nimmt das Geld. Wortlos. Wochen später erfahre ich, dass mein Freund die restlichen 25 Euro bezahlt hat. Da war ich sprachlos und habe dem Freund dieses Geld gegeben, da ich ihn nicht ausnutzen wollte. So läuft das in Kenia. Money for nothing. Und jeder macht mit oder möchte mitmachen.